Société
Générale - (de)
Die Bank wurde während des zweiten französischen Kaiserreichs am 4.
Mai 1864 gegründet, um die Entwicklung von Handel und Industrie in
Frankreich zu fördern. Sie stellte Angestellte ein und eröffnete
planmäßig Büros überall in Frankreich. 1870 besaß die Bank 15
Niederlassungen in Paris und 32 in den französischen Provinzen. 1871
etablierte sie ein permanentes Büro in London. Zu Beginn benötigte
die Bank ihre eigenen Ressourcen nahezu vollständig sowohl für
Aktiv- wie für Passivgeschäfte. 1871 dehnte sie ihre Tätigkeit auf
den öffentlichen Emissionsmarkt aus, indem sie den Verkauf von
Schuldverschreibungen übernahm, durch die die im Frieden von
Frankfurt vereinbarten Reparationsleistungen aufgebracht werden
sollten. Zwischen 1871 und 1893 durchlief Frankreich eine ökonomisch
finstere Zeitspanne, die mit dem Zusammenbruch verschiedener Banken
verbunden war. Die Bank wuchs moderat und besaß 1889 bereits 148
Zweigstellen, die die Fähigkeit des Unternehmens demonstrierte, auch
unvorteilhafte ökonomische Situationen zu überstehen.

1894 – 1930
1894 begann die Bank die Strukturen aufzubauen, die eine moderne Großbank
charakterisieren: Sie begann sowohl privates wie geschäftliches
Anlagevermögen anzuziehen, aber auch kurzfristige Kredite für
Industrielle und Händler zur Verfügung zu stellen. Sie begann ferner
mit der öffentlichen Emission von ausländischen
Schuldverschreibungen sowohl in Frankreich als auch in Russland. Die
Akquisition von Kapitalbeteiligungen wurde eine zweitrangige Aktivität.
Die gesunde, ausgezeichnete finanzielle Performance erlaubte der Bank
die Ausweitung ihrer Aktienstruktur: 1895 hatte die Société Générale
bereits 14.000 Aktionäre, deren Zahl sich bis 1913 auf 122.000 erhöhte.
Die Kriegsjahre waren schwierig und brachten durch den Verlust des
Russlandsgeschäfts ernste Konsequenzen mit sich. Dennoch wurde die
Société Générale die führende Geschäftsbank Frankreichs in den
1920er Jahren: Ihr Zweigstellennetz wuchs seit den 1890er Jahren
bedeutend, mit einer großen Anzahl von Filialen und saisonalen Büros,
die eine tiefe Durchdringung des Marktes in der Provinz ermöglichte
(1910: 260 Saisonbüros; 1930: 864 Saisonbüros). Dank der Dynamik der
Aufsichtsgremien und des Managements am Hauptsitz und den
Niederlassungen zog es hinsichtlich des deponierten Anlagenvermögens
und der ausgegebenen Kredite am Rivalen Crédit Lyonnais zwischen 1921
und 1928 vorbei. Um den Anforderungen der investierenden Unternehmen
zu entsprechen, gründete die Société Générale 1928 eine
Tochtergesellschaft, Calif, die sich auf mittelfristige Darlehen
spezialisierte.

1931 – 1945
Die 1930er Jahre waren erneut eine schwierige Phase. Wegen des rückläufigen
internationalen und französischen Geschäfts war die Bank gezwungen,
ihr Zweigstellennetz durch die Schließung lokaler Filialen zu
straffen. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war die Zahl ihrer
Zweigstellen nicht viel größer als 1922. Dennoch war die Société Générale
bei der Platzierung zahlreicher öffentlicher Anleihen des Staates und
der Kolonien während dieser Zeit aktiv. Der Krieg und die deutsche
Besatzung unterbrachen ihre Expansion, aber die Bank ging nach Afrika
und in die USA.

1945 – 1964
Société Générale wurde 1945 verstaatlicht. Sie hatte nur noch
einen Aktionär: den französischen Staat. Die Zeitspanne von 1945 bis
1958 war in Frankreich durch das rapide ökonomische Wiedererstarken
charakterisiert, aber auch durch ein größeres
Zahlungsbilanzungleichgewicht, das eine kontinuierliche
Wechselkurskontrolle und nahezu permanente Kreditkontrollmaßnahmen
erforderte. Die Wirtschaft erstarkte erst ab 1959, aber die
Kreditkontrollen wurden fortgesetzt, um inflationären Tendenzen
entgegenzuwirken. Steiles Wachstum der Produktion und des Außenhandels
eröffneten dem Bankensektor neue Geschäftsmöglichkeiten. Die
Industrie erlebte einige radikale Veränderungen; eine der
bedeutendsten war die größere Spezialisierung des Kreditwesens. Die
Breite der offerierten Bankprodukte dehnte sich laufend aus. Dank
ihrer Präsenz in New York war die Société Générale im Stande, an
dem durch den Marshallplan hervorgerufenen Geschäft teilzuhaben. Die
Société Générale setzte ihre Expansion in Frankreich und im
Ausland fort. Sie ging nach Italien und Mexiko und änderte den Status
ihres Geschäfts in Afrika nach der Entkolonialisierung in Übereinstimmung
mit den Gesetzen dieser neuen unabhängigen Länder.

1965 – 1990
Nach der Aufhebung der Genehmigungspflicht für die Eröffnung von
Zweigstellen 1966 erhielt die Société Générale neue Anstöße für
ihr französisches Zweigstellennetz. Auch ihre internationale
Expansion war lebhaft. Sie war nicht länger, wie vorher, auf
Finanzzentren (London, New York) und benachbarte Länder (Belgien,
Spanien) und die früheren Kolonien begrenzt, mit dem vordringlichen
Ziel, französische Firmen mit Krediten zu versorgen, aber auch darauf
gerichtet, die Präsenz der Bank an den Bankplätzen zu ermöglichen,
an denen sich neue Märkte entwickelten, entweder um technisches
Know-how zu exportieren, das sie auf einigen Feldern erworben hatte,
oder um in Kontakt mit den Multis zu bleiben. Die Jahre 1966 und 1967
waren ein fundamentaler Wendepunkt bei der Bankgesetzgebung: Die
wichtigste Entwicklung war die Abschwächung der Trennung zwischen
Anlagen- und Investmentbanking und die Gründung einer eigenen
Hypothekenbank.

Die Société Générale machte sich diesen Vorteil zunutze und erwarb
sich eine führende Position bei einigen neuen Finanztechniken, die
hauptsächlich für das Firmengeschäft bestimmt waren, wie
Finance-Leasing, durch die Gründung spezialisierter
Tochterunternehmen für den jeweiligen Zweck. Die 1970er Jahre waren
durch zwei wesentliche Entwicklungen charakterisiert: durch eine
Ausweitung des internationalen Zweigstellennetzes und die allgemeine
Einführung der EDV, um mit der Ausweitung der Kundschaft und der
Entwicklung des Anlagegeschäfts Schritt zu halten. Das Erscheinen von
automatischen Bankautomaten 1971 krönte den Erfolg und die
Entwicklung der Kreditkarte. Vor dem Hintergrund der Deregulierung und
des technologischen Wandels zu Beginn der 1980er Jahre, der
Internationalisierung der Märkte und des Auftauchens neuer
Finanzinstrumente setzte sich die Société Générale zwei Geschäftsziele:
Sie konzentrierte sich auf private Konsumenten über ihr
Zweigstellennetz und durch die Akquisition von spezialisierten
Tochterunternehmen. Sie verfolgte und erweiterte ihre Geschäftsaktivitäten
auf den französischen Kapitalmärkten und an verschiedenen ausgewählten,
internationalen Bankplätzen. Am 29. Juli 1987 wurde die Société Générale
privatisiert. Sie wurde wegen ihres ausgezeichneten Risikomanagements,
ihrer Eigenkapital- und Produktivitätsquote unter den drei 1945
verstaatlichten Großbanken ausgewählt.
Seit 1991
Während der letzten Jahre konzentrierte sich die Société Générale
auf die Entwicklung ihrer Geschäftsaktivitäten auf drei Kernfeldern
durch die Kombination organischen Wachstums und weiterer
Akquisitionen.
Mit der Akquisition des Konkurrenten Crédit du Nord 1997 wurde das
Privatkundengeschäft gestärkt, was die Entschlossenheit der
Bankengruppe bewies, die Restrukturierung des französischen
Bankensystems zu nutzen. Zur gleichen Zeit bemühte sich die Société
Générale mit dem Angebot „einer Kontonummer für das ganze
Leben“ und der Einführung von „Jazz“ (einem Paket von
Dienstleistungen) um die langfristige Kundenbindung. 1999 bemühte
sich Société Générale um die feindliche Übernahme der Paribas,
wobei jedoch der Konkurrent Banque Nationale de Paris letztlich
siegte.
1998 richtete die Société Générale für das Privatkundengeschäft
außerhalb Frankreichs eine separate Abteilung ein, womit die
Entschlossenheit, diesen Geschäftszweig zu einer strategischen
Entwicklungsachse der Gruppe auszubauen, unterstrichen wurde. Diese
Aktivität wurde 1999 durch weitere Akquisition in Rumänien (BRD –
Groupe Société Générale), Bulgarien und Madagaskar gestärkt. Die
Strategie externen Wachstums wurde durch Akquisitionen in
Zentraleuropa (Komercni Banka in der Tschechien und SKB Banka in
Slowenien) 2001 manifestiert. Auch Afrika wurde 2002 mit der Übernahme
der Eqdom - dem Marktführer für Konsumentenkredite in Marokko - und
der Union International de Banque in Tunesien ein wichtiges
Interessensgebiet der Bank. Zusätzlich wurden 2003 in Ghana 48 % der
SBB Bank und 2004 in Griechenland 50 % der Geniki Bank und in
Deutschland 75 % der Hanseatic Bank erworben. Am 30. Juni 2006 wurde
die kroatische Splitska banka übernommen.

Bei den spezialisierten Finanzdienstleistungen, einer Mitte 2001
eingerichteten Abteilung, versetzte der Kauf zweier Tochterfirmen der
Deutschen Bank (die auf Marken-unabhängige Autoleasingkredite
spezialisierte ALD und die auf die Finanzierung von Firmenleasing
spezialisierte GEFA) die Société Générale in die Lage, in diesem
Sektor auf dem europäischen Markt zu wachsen. Mit dem Kauf der Hertz
Leasing, einer europäischen Tochter des Ford-Konzerns, die auf
Langzeitleasing und Flottenmanagement spezialisiert ist, wurde 2002
die Strategie externen Wachstums fortgesetzt.
Mit der Erfolgsgeschichte als Frankreichs führendem Anbieter von
Anlageprodukten (Investmentfonds, Sparpläne) hat die Gruppe ihre
Aktiväten in der Vermögensanlageverwaltung und im Private Banking
entwickelt. Mit ihrem Tochterunternehmen Société Générale Asset
Management verfolgte sie seit 1999 die Strategie, sowohl das
Anlagefondsgeschäft in Frankreich zu entwickeln, als auch die Geschäftsaktivitäten,
die sich an wichtige institutionelle Investoren auf internationaler
Ebene richten. Mit der Gründung von Société Générale Asset
Management UK in London und der Akquisition von Yamaichi in Japan
unternahm die Société Générale einen entscheidenden Schritt zur
Internationalisierung und ist heute fähig, ihren Kunden wirklich
globale Fondsmanagementfähigkeiten anzubieten. Die Société Générale
besitzt außerdem eine weltweite Präsenz im Private Banking. Nachdem
sie 1998 eine Politik bedächtiger Akquisitionen verfolgte,
entwickelte und konsolidierte sich Société Générale Private
Banking 1999 vor dem Hintergrund härteren Wettbewerbs.

Der französische Reporter Denis Robert und die ehemalige Nummer 3 der
Clearinggesellschaft Clearstream, Ernest Backes beschuldigten Société
Générale unpublizierter Konten bei Clearstream, die im Mittelpunkt
eines Finanzskandal steht. Die Bank bestreitet die erhobenen Vorwürfe.
Im 1. Quartal 2004 wurde mit SG Global Investment Management and
Services GIMS die dritte Säule von Geschäftsaktivitäten der Société
Générale gegründet. Im Februar 2004 wurde mit SG Global Securities
Services for Investors GSSI ein weiteres Geschäftsgebiet gegründet,
das den Investoren Dienstleistungen zu Effekten und Derivate auf der
ganzen Welt offeriert. GSSI ist an GIMS angebunden, das SG Asset
Management, SG Private Banking und SG Global Security Services for
Investors zusammenfasst. GIMS beschäftigt 7.600 Mitarbeiter.

Unter dem 1998 eingeführten Markennamen SG Corporate and Investment
Banking entwickelt Société Générale ihr Firmenkunden- und
Anlagegeschäft. Gestützt auf eine solide Kundschaft und für ihre
Innovationsfähigkeit anerkannt (die Gruppe zählt in den Ranglisten
zu den Weltführenden in Anlagederivaten, Wandelanleihen,
Exportfinanzierung etc.), beabsichtigt die Société Générale, ihr
Geschäft in den Bereichen Beratung, Mergers & Acquisitions und Börsengang
durch die Übernahme spezialisierter Unternehmen (Hambros in Großbritannien,
Barr Devlin und Cowen in den USA) zu entwickeln.