Philipp
Holzmann AG - (de)
Das Bauunternehmen wurde 1849 von Johann Philipp Holzmann in Dreieich
gegründet.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Holzmann durch die 1902
begonnene und von der Deutschen Bank finanzierte Bagdadbahn.
Das zeitweise größte deutsche Bauunternehmen war anfangs überwiegend
im Eisenbahnbau tätig, erweiterte sein Arbeitsgebiet aber bald in
alle Bereiche des Hoch- und Tiefbaus.

Das erste große Bauprojekt war der 1854 fertiggestellte
Schwarzkopftunnel der Main-Spessart-Bahn.
1856 folgte der Umzug nach Frankfurt, wo 1863 eine Baufabrik entstand.
Fortan war die Baugeschichte Frankfurts auch eng mit Holzmann
verbunden.
1873 beteiligte sich Holzmann am Bau des Frankfurter Opernhauses, 1877
folgte die Wettsteinbrücke über den Rhein in Basel als erstes
Auslandsprojekt, 1882 der Hauptbahnhof Amsterdam, 1883 das Empfangsgebäude
des Hauptbahnhofs Frankfurt, 1889 Arbeiten für den Nord-Ostsee-Kanal
und 1892 der Justizpalast München. Ebenfalls 1899 beteiligte sich das
Unternehmen als Gesellschafter an der Studiengesellschaft für
Elektrische Schnellbahnen (St.E.S.) in Berlin.
1906 begann das Holzmann-Engagement in Südamerika mit
Beteiligungsgesellschaften in Argentinien, Brasilien, Chile,
Kolumbien, Peru und Uruguay.
1907 war Holzmann am Elbtunnel in Hamburg beteiligt, 1910 an der
Edertalsperre. 1917 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.
Auch im Wohnungsbau war das Unternehmen mit den Siedlungen Hellerhof
und Riederwald in Frankfurt tätig. Ein weiteres Großprojekt war 1925
der Hindenburgdamm.
Vom Baubedarf im Nationalsozialismus profitierte auch die Philipp
Holzmann AG als einer der größten deutscher Bauunternehmer.
Dabei wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt:
Adolf Hitler beauftragte Albert Speer unmittelbar nach dem Sieg über
Polen, im Oktober 1939, mit dem Ausbau einer Residenz in der Posener
„Kaiserpfalz“. Er ließ dort Schlaf-, Arbeits- und Wohnzimmer
einrichten. In vier Jahren wurden 27 Millionen Reichsmark verbaut, vor
allem von Arbeitern aus Konzentrationslagern. Die ausführende
Baufirma war Phillip Holzmann. Allerdings hat Hitler die Räume in
Posen nie bezogen.

Zu einem der größten Tiefbunker Berlins zählte im Zweiten Weltkrieg
die Schutzanlage unter dem Alexanderplatz. Sie wurde von 1941–43 im
Auftrag der Deutschen Reichsbahn von Philipp Holzmann erbaut.
Ab November 1942 wurden 34 „Ostarbeiter“, bei denen es sich wohl
vorrangig um Russen handelte, bei der Firma Philipp Holzmann AG zu
Wiederaufbauarbeiten an den kriegsbeschädigten Gebäuden der Berliner
Charité eingesetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich die Philipp Holzmann AG an
der Gründung der Frankfurter Trümmerverwertungsgesellschaft, die aus
Bauschutt neues Baumaterial herstellte. Holzmann war u. a. in
Frankfurt am Wiederaufbau des Goethe-Hauses, des Rathauses und der
Paulskirche beteiligt. Im Verkehrsbereich baute Holzmann auf dem
Rhein-Main-Flughafen und auch bei der Frankfurter U-Bahn mit.

Im Oktober 1999 feierte das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen.
Noch im gleichen Jahr wurden schwere wirtschaftliche Schwierigkeiten
publik. Das weltweit tätige Traditionsunternehmen hatte in den
letzten Jahren des 20. Jahrhunderts durch Missmanagement, das nach
Ansicht von Fachleuten die Grenze zum Kriminellen bereits überschritt,
in Kombination mit den schwierigen Rahmenbedingungen für die deutsche
Bauwirtschaft, einen Verlust von 2,4 Milliarden DM angehäuft.
Als Hauptschuldiger wurde Lothar Mayer ausgemacht (siehe
VDI-Nachrichten vom 26. November 1999). Als Berater wurden die Roland
Berger Strategy Consultants hinzu geholt.
Ein medienwirksam verkündeter Rettungsversuch vom damaligen
Bundeskanzler Gerhard Schröder scheiterte, so dass die Philipp
Holzmann AG am 21. März 2002 endgültig Insolvenz anmelden musste.