Novartis
AG - (de)
Die Novartis AG ist ein Biotechnologie- und Pharmazie-Konzern mit Sitz
in Basel, Schweiz. Novartis entstand 1996 aus einer Fusion der beiden
ehemaligen Basler Chemiekonzerne Ciba-Geigy AG und Sandoz. Es war
damals die größte Firmenfusion der Welt.
Im Namen Novartis steckt der lateinische Ausdruck novae artes („neue
Künste“).
Der jetzige CEO und Verwaltungsratspräsident ist Daniel Vasella. Im
Schweizer Gesetz ist es im Gegensatz zum deutschen Gesetz nicht
verboten, in einer Firma gleichzeitig CEO und Verwaltungsratspräsident
zu sein (vgl. Corporate Governance).
Am 21. Februar 2005 kündigte Novartis die Übernahme des deutschen
Generika-Herstellers Hexal für 5,65 Milliarden Euro an

Novartis geht auf mehrere Basler Firmen zurück, die sich alle im 19.
Jahrhundert mit der Produktion von Anilinfarbstoffen aus Teer beschäftigt
haben. Neben dem Rhein, der für Brauchwasser und die Entsorgung der
festen und flüssigen Abfälle genutzt werden konnte, war die
Anwesenheit von Färbereien, ein gut ausgebauter internationaler
Handel, lokales Kapital und ein ausreichendes Angebot an Arbeitskräften
wichtige Standortfaktoren für die Entwicklung der Basler
Farbstoffindustrie. Die ersten Chemiker und das Know-how für die
Farbstoffherstellung kamen aus Frankreich. Außer der Hoffmann-La
Roche gehen alle Basler Pharma Unternehmen mit Wurzeln im 19.
Jahrhundert auf die Teerfarbenproduktion zurück und fusionierten über
mehrere Stufen zu Novartis.
J.R. Geigy
1758 begann Johann Rudolf Geigy-Gemuseus (1733–1793) im Raum Basel
mit „Materialien, Chemikalien, Farbstoffen und Heilmitteln aller
Art“ zu handeln. 1857 richteten Johann Rudolf Geigy-Merian
(1830–1917) und Johann Müller-Pack ein Farbholz- und ein
Farbextraktionswerk am Riehenteich (Rosentalquartier) ein und nahmen
zwei Jahre später die Produktion von synthetischem Fuchsin auf.
1901 wurde seine Firma eine Aktiengesellschaft und seit 1914 hieß die
Firma J.R. Geigy AG.
Geigy begann 1935 mit der Produktion von Insektiziden und gründete
drei Jahre später eine pharmazeutische Abteilung. Das neue Werk
Schweizerhalle wurde errichtet, und der Geigy-Forscher Paul Müller
entwickelte das Insektizid DDT, wofür er 1948 den Nobelpreis erhielt.
In den 1940er- bis 1960er-Jahren entwickelte Geigy verschiedene
Produkte, darunter das Antirheumatikum Butazolidin, Herbizide wie
Simazin oder Atrazin, Psychopharmaka wie Tofranil (Imipramin),
Anafranil (Clomipramin), Bluthochdruckmittel (Diuretikum) wie Hygroton
oder das Antiepileptikum Tegretol.
Ciba
Alexander Clavel (1805–1873) nahm 1859 die Produktion von Fuchsin in
seiner Seidenfärberei in Basel auf. Umweltauflagen der Stadt zwangen
ihn 1864 die Produktion von der Rebgasse in der Kleinbasler Altstadt
in eine neu erbaute Fabrik für synthetische Farbstoffe an der
Klybeckstrasse zu verlegen. Diese Produktionsstätte verkaufte er 1873
an die neue Firma Bindschedler & Busch um sich wieder ganz der
Seidenfärberei zu widmen.

1884 wurde die Firma in Gesellschaft für Chemische Industrie Basel
umbenannt. Deren Abkürzung Ciba wurde so geläufig, so dass sie 1945
zum offiziellen Firmennamen erklärt wurde.
Das vom Mülhauser Chemiker Armand Gerber 1864 ursprünglich als
Anilinfarbenfabrik A. Gerber & Uhlmann gegründete
Anilinfarbenwerk vormals A. Gerber & Cie. wurde 1898 integriert
und ergänzte das Fabrikareal an der Klybeckstrasse.
1908 erfolgt die Fusion mit der Basler Chemischen Fabrik mit Werken in
Kleinhüningen (Basel-Stadt) und Monthey (Wallis).
Nach Erzeugnissen wie das Antiseptikum Vioform oder das
Antirheumatikum Salen um die Jahrhundertwende errichtete Ciba um die
1910er Jahre Fabriken unter anderem in Clayton (England), Mailand
(Italien), in Berlin oder in Russland. 1954 wurde mit der Produktion
von Insektiziden begonnen. 1963 kam Desferal zur Behandlung von Eisen-
und Aluminiumüberladung in Verbindung mit der Blutkrankheit Thalassämie
auf den Markt.
1970 fusionierten Ciba und Geigy zur Firma Ciba-Geigy AG; seit 1992
nannte sich die Firma nur noch Ciba.
Sandoz
1886 gründeten Alfred Kern (1850–1893) und Edouard Sandoz
(1853–1928) die Chemiefirma Kern & Sandoz im St. Johann Quartier
an der Gasstrasse in Basel. Die ersten Farbstoffe, die dort
hergestellt worden sind, waren Alizarinblau und Auramin. Nach Kerns
Tod wurde 1895 das Partnerunternehmen in die Aktiengesellschaft
Chemische Fabrik vormals Sandoz umgewandelt und im gleichen Jahr das
fiebersenkende Mittel Antipyrin hergestellt. 1899 wurde mit der
Produktion des Süßstoffes Saccharin begonnen.
1917 begann man unter Arthur Stoll (1887–1971) mit der
pharmazeutischen Forschung. Zwischen den Weltkriegen wurden daraufhin
Gynergen (1921) und Calcium-Sandoz (1929) auf den Markt gebracht. Seit
1929 stellte Sandoz auch Chemikalien für Textilien, Papier und Leder
her, 1939 kamen außerdem Agrochemikalien dazu.
In den 1930er-Jahren wurde das Psychopharmakon LSD entwickelt, das in
den 1960er-Jahren wieder zurückgezogen wurde.
Der Aufbau des Werks Schweizerhalle an der Rothaustrasse in Muttenz
wurde 1946 begonnen.
1964 wurden erste Auslandniederlassungen gegründet.
1967 fusionierte Sandoz mit der Wander AG (bekannt für Ovomaltine und
Isostar) und übernahm zudem die Firmen Delmark, Wasa (Knäckebrothersteller
aus Schweden) und 1994 Gerber Babynahrung aus den USA.
1970 wurde in Wien, Österreich, das Sandoz-Forschungs-Institut
(deutsche Abkürzung: SFI, englische Abkürzung: SRI) gegründet, das
nach der Fusion von Sandoz mit Ciba-Geigy im Jahre 1996 in
Novartis-Forschungs-Institut (deutsche Abkürzung: NFI, englische Abkürzung:
NRI) umbenannt wurde. Dieses Forschungs-Institut ist nun ein Teil des
2003 gegründeten Novartis Institutes for Biomedical Research (NIBR).
Das Forschungs-Institut beschäftigte 2006 rund 220 Personen.
Am 1. November 1986 ereignete sich in einer Lagerhalle von Sandoz in
Schweizerhalle bei Basel eine Brandkatastrophe. 500 Tonnen Chemikalien
verbrannten. Das verunreinigte Löschwasser gelangte teilweise in den
Rhein und vernichtete dort einen großen Teil des tierischen und
pflanzlichen Lebens. Es dauerte Jahre, bis sich der Fluss wieder
erholt hatte. Der Unfall galt als eine der größten bis dahin
stattgefundenen Umweltkatastrophen und erschütterte den Glauben an
die Sicherheit der chemischen Industrie. Gleichzeitig war er Anlass
zum Umdenken im Störfall- und Gewässerschutz.

1995 wird die Sparte Spezialitätenchemie als eigne Firma unter dem
Namen Clariant AG mit Firmensitz in Muttenz verselbständigt. Damit
gehört auch das ehemalige Werk Schweizerhalle an der Rothaustrasse in
Muttenz nicht mehr zu Sandoz.
1996 entstand aus Sandoz und Ciba-Geigy AG das Unternehmen Novartis.
Novartis
Nachdem die Aktionäre von Ciba und Sandoz sowie die Europäische
Union die Fusion bereits genehmigt hatten, wurde diese am 17. Dezember
1996 auch durch die Federal Trade Commission bewilligt. Am 20.
Dezember 1996 wurde Novartis dann offiziell als Firma eingetragen.
1997 Ausgliederung der Sparte Chemie als eigne Firma unter dem Namen
Ciba Spezialitätenchemie AG mit Sitz in Basel. Mit der Auslagerung
des Industriechemikaliengeschäfts, das auch die Farbstoffe
beinhaltet, verlässt Novartis endgültig seine historischen Wurzeln.
1999 wird der Geschäftsbereich Wasa an die Barilla Alimentare S.p.A.
mit Sitz in Parma/Italien verkauft.
Seit dem 21. April 1999 ist der Vorstandsvorsitzende (CEO) Daniel
Vasella zudem Verwaltungsratspräsident. Er nahm im Mai 2005 an der
Bilderberg-Konferenz teil.
Am 2. Dezember 1999 wird bekanntgegeben, dass die Agrar-Bereiche von
Novartis und AstraZeneca ausgegliedert und zum weltgrössten
Agrar-Konzern Syngenta, mit Firmensitz in Basel, fusioniert werden.
2003 fasste Novartis seine Generikafirmen unter dem Namen Sandoz zu
einem Teilkonzern mit Hauptsitz in Wien zusammen. 2005 verlegte
Novartis den Hauptsitz von Sandoz an den der einverleibten Hexal nach
Holzkirchen (Oberbayern). Seither ist Sandoz wieder als Markenname für
den Konsumenten sichtbar.

Umsatz
Seit Jahren erwirtschaftet Novartis Rekordgewinne, so auch im Jahr
2005: Der Nettoumsatz betrug 32,2 Milliarden US-Dollar (14 Prozent
mehr als im Vorjahr), der Reingewinn 6,1 Milliarden US-Dollar (zehn
Prozent mehr als im Vorjahr). Dies ist vor allem Produkten wie Diovan,
Glivec, Femara und Zometa zu verdanken.