Mittal
Steel Company N.V. - (de)
Steel Company N.V. ist der weltweit größte Stahlproduzent und
befindet sich zurzeit im Fusionsprozess mit dem einstigen
luxemburgischen Konkurrenten, dem Arcelor-Konzern; siehe auch: Arcelor
Mittal.
Mittal Steel hat seinen Sitz in Rotterdam in den Niederlanden, wird aber
vom Berkeley Square in London durch Mehrheitseigentümer Lakshmi Mittal
(CEO) und seinen Sohn Aditya CFO) geleitet. Die Gesellschaft wurde bei
Übernahme der LNM Holdings N.V. durch die Ispat International gegründet
(Ispat ist Hindi und heißt Stahl), die beide bereits damals von Lakshmi
Mittal kontrolliert wurden und im Frühjahr 2005 mit der International
Steel Group Inc. (ISG) fusionierten, in der die früheren
US-Stahlgiganten Bethlehem Steel, Republic Steel und LTV Steel vereint
waren. Mehr als 90 Prozent der Aktienanteile befanden sich stets im
Besitz der Familie Mittal.

Geschäft
Mittal beschäftigt 320.000 Menschen und erwirtschaftete 2005 einen
Umsatz von 28,132 Mrd. US-Dollar. Im Jahr 2004 wurden 48 Mio. Tonnen
Stahl produziert, mehr als die nächsten Konkurrenten Arcelor (45 Mio.
Tonnen) und Nippon Steel (31,3 Mio. Tonnen). Die luxemburgisch-französisch-spanische
Arcelor übertraf Mittal dennoch beim Umsatz mit einem Jahresumsatz von
37 Mrd. im Jahr 2004.
Mittals einzigartiges Geschäftsmodell ermöglichte der Gesellschaft,
ein profitables Geschäft in Ländern aufzubauen, die nicht als erste
Adresse angesehen wurden. Mittal kaufte verlustbringende oder gering
ausgelastete Stahlproduzenten und brachte sie wieder auf die Erfolgsspur
durch flache Hierarchien, Kostenreduzierung, Absatzorientierung,
Entlassungen und Stilllegungen. Dabei schuf er schlankere und
wettbewerbsfähige Gesellschaften. Ihm kam auch die weltweite
Stahlkonjunktur zugute.
Die Gesellschaft besitzt in 18 Ländern Produktionsstandorte: China,
Indien, Indonesien, Vereinigte Staaten, Mexiko, Kanada, Frankreich,
Deutschland, Polen, Rumänien, Algerien, Südafrika, Tschechien, Bosnien
und Herzegowina, Mazedonien, Trinidad und Tobago, Kasachstan und die
Ukraine.

„Mittalgate“
Die britische Labour Party soll laut Medienberichten am 23. Mai 2001
eine Spende von Lakshmi Mittal erhalten haben. Das Online-Magazin Slate
berichtete, Blair habe darauf angeblich einen Brief an den rumänischen
Präsidenten Adrian Nastase geschrieben, in dem er sich für die
Erlaubnis zum Kauf des staatseigenen rumänischen Unternehmens Sidex
durch Mittal Steel Company bedankt habe. Dieser Brief führte zur
Annahme, Labour habe die Mittal'schen Interessen in dieser Art aufgrund
der Spendenzahlung vertreten. Blairs Pressesprecher erklärte, der
Ministerpräsident habe den Brief nicht aufgrund der Spendenzahlung
geschrieben. Tony Blair habe niemals von der Mittal-Spende gewusst. Der
Fall sorgte als „Mittalgate“ für Schlagzeilen.
Gebote auf Kriworoschstal und Arcelor
Im Oktober 2005 erwarb Mittal Steel den ukrainischen Stahlproduzenten
Kriworoschstal für 4,8 Mrd. USD bei einer Versteigerung, nachdem eine
vorangegangene, umstrittene Versteigerung an ein Konsortium, an dessen
Spitze der Schwiegersohn des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid
Kutschma stand, durch den aktuellen Präsidenten Wiktor Juschtschenko
aufgehoben worden war.

Am 27. Januar 2006 wurde ein Angebot an die Aktionäre von Arcelor in Höhe
von € 18,6 Mrd. bekannt. Mittal bietet damit pro Arcelor-Aktie €
28,21 oder 27 % mehr als der Schlusskurs der Arcelor-Aktie am 26. Januar
2006 an der Pariser Börse. Die Regierungen Luxemburgs, Frankreichs und
Belgiens haben sich gegen die Fusion von Arcelor mit Mittal Steel
ausgesprochen und das "feindliche" Übernahmeangebot ohne
vorherige Kontaktaufnahme mit den bisherigen Aktionären und dem
Aufsichtsrat kritisiert. Falls Mittal mit seiner feindlichen Übernahme
erfolgreich sein sollte, würde es mit einem Produktionsvolumen von 119
Mio. Tonnen Stahl pro Jahr sowohl nach den Absatzmengen wie auch nach
dem Umsatz der mit weitem Abstand größte Stahlhersteller der Welt.
Mittal Steel erwartet bei einer erfolgreichen Übernahme von Arcelor
Synergieeffekte in Höhe von ca. 1 Mrd. USD und eine beschleunigte
Konsolidierung der Branche. Arcelor unterhält in Bremen,
Unterwellenborn (Thüringen) und mit Arcelor Eisenhüttenstadt
(Brandenburg) Standorte in Deutschland. Mittal betreibt in Deutschland
die Mittal Steel Hamburg GmbH (ehemals Hamburger Stahlwerke) und in
Duisburg die Mittal Steel Ruhrort GmbH und die Mittal Steel Hochfeld
GmbH, die gemeinsam von Thyssen verkauft wurden, als Thyssen sich
ausschließlich auf den Flachstahlsektor zurückzog.
Im Vorgriff auf erwartete Einwände amerikanischer Kartellämter hat
Mittal bereits mit der ThyssenKrupp AG vereinbart, dass die kanadische
Dofasco-Gruppe aus der Arcelor wieder herausgelöst werden wird und zum
vormals unterlegenen Höchstgebot doch noch an ThyssenKrupp gehen wird.
(Diese Nachricht ließ am 27. Januar, passgenau zur Hauptversammlung der
TK, den TK-Kurs von ca. 18 Euro binnen weniger Stunden auf über 23 Euro
explodieren.